„Keine schlechte Lehrerin, die Ministerin“, RNZ vom 17.11.2014

Zum „Tag der Freien Schulen“ kam Theresia Bauer in die Elisabeth-von-Thadden-Grundschule – Schüler stellten knifflige Fragen

Von Maria Stumpf, erschienen in der RNZ am 17. November 2014

„Nicht nur lernen, auch innerlich wachsen und stark werden“, sollen Kinder an ihren Schulen. Das meint Theresia Bauer, Landtagsabgeordnete der Grünen und Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Zum landesweiten „Tag der Freien Schulen“ hatte die Elisabeth-von-Thadden-Grundschule eingeladen. Die private Ganztagsschule ist in kirchlicher Trägerschaft mit einem evangelischen Religions- und Musik-Profil. Sie bietet rund 180 Kindern Platz.

Unter dem Tagesmotto „Schenken Sie uns eine (Schul-)Stunde Ihrer Zeit“ begrüßte Schulleiter Gregor Zink die Heidelbergerin. Die Freien Schulen wollten mit diesem Tag auf ihre alternativen Lern- und Lehrkonzepte aufmerksam machen. Und um es gleich vorweg zu nennen: Theresia Bauer spendete nach einer Führung durch das Haus und einer Stunde Unterricht viel Lob für die Einrichtung im Pfaffengrund – Bauer wohnt auch in diesem Stadtteil. „Das hier ist eine ganz wunderbare Schule. Hier herrscht offensichtlich eine Atmosphäre der Ermutigung.“

Es müsse Orte geben, wo Religion gelebt werde, fügte sie hinzu. „Das ist eine wichtige Ergänzung der Bildungslandschaft“, so die Grünen-Politikerin. „Es gibt aber auch das Recht, ohne Religionsunterricht unterrichtet zu werden. Das haben staatliche Schulen vorzuhalten.“ Schulleiter Zink sprach auch die unterschiedliche finanzielle Förderung durch das Land im Vergleich zu staatlichen Ganztagsgrundschulen an. Bauer versprach, das Thema mit nach Stuttgart zu nehmen.

Für Aufmerksamkeit sorgte auch die Schulstunde mit der Ministerin. Zu einem Thema ihrer Wahl hatten die Kinder die Frau aus der Politik eingeladen – die 4b hatte sich mit den Lehrerinnen Yvonne Steinmetz und Eva Schirmer für das Thema „Kinderrechte“ entschieden. Auf Plakaten hatten die Viertklässler ihre Gedanken zusammengefasst, im Mittelpunkt standen das Recht auf Bildung, auf eine gewaltfreie Erziehung und elterliche Fürsorge und das Recht auf Schutz vor Misshandlungen.

Die Kinder hatten sich keine einfachen Fragen überlegt. Emily und Asya etwa wollten wissen, warum nicht alle Kinder dieser Welt in eine Schule gehen dürfen oder Kinderarbeit „nicht einfach verboten wird?“ Max und Rosa fragten: „Was ist eigentlich ein Recht?“ Mit dem Thema „Mobbing“ befassten sich Mila und Frieda.

Quelle: Alex

In einer lebhaften Fragerunde schnellten dann viele kleine Finger in die Höhe: Warum sind Menschen böse? Warum schlagen sie andere tot? Wer hilft Kindern in Not? Theresia Bauer, Mutter von zwei fast erwachsenen Söhnen, staunte nicht schlecht. „Ganz schön kompliziert hier“, murmelte sie.

Sachlich und Mut machend formulierte sie ihre Antworten. Welches Kinderrecht für sie am wichtigsten sei, wollte ein Junge noch wissen. In der Klasse war es für einige Sekunden mucksmäuschenstill. „Das Recht, frei zu sein. Daraus leitet sich alles andere ab“, überlegte die Politikerin. „Ich finde, das Recht auf ein eigenes Leben“, meinte das Mädchen neben ihr. „Wow, das ist echt gut“, freute sich da Bauer. Und auch die Lehrer nickten sichtlich stolz. Das haben sie prima gemacht, ihre Schüler.

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